Unsere aktuelle Ausgabe 3/2010 zum Thema
»Dogmatik und Exegese –
Begegnung der dritten Art« mit folgenden Beiträgen:
Stichwort
Christoph Dohmen
Exegese und Dogmatik
„Dogmatik und Exegese sind seit der Hochscholastik immer mehr auseinander und in diesem Jahrhundert aneinander geraten. (…) Aber das Tabu ist nun durchbrochen, und von beiden Seiten wird an der notwendigen Brücke gebaut. (…) Vieles steht noch unverbunden nebeneinander. Aber das Gespräch ist eröffnet, und unser Wollen mit diesem Sammelwerk berührt sich an einer Stelle entscheidend mit der Zielsetzung des II. Vatikanischen Konzils: Die Kirche muß – wie es Johannes XXIII. in Wort und Tat zu verwirklichen sucht – im Geist der offenen Ehrlichkeit, der Liebe und Brüderlichkeit erneuert werden.“
Walter Kasper schrieb einmal, die Methode der Dogmatik vollziehe sich maßgeblich in drei Schritten: „Darlegung der Lehre der Kirche, Beweis oder Aufweis aus Schrift und Tradition und spekulative Durchdringung.“ Hinter dem zweiten dieser Schritte verbirgt sich ein Problem, dessen theologische und theologiegeschichtliche Relevanz nicht von der Hand zu weisen ist: das mitunter spannungsreiche Verhältnis zwischen Dogmatik und Exegese.
Wenn man das umfangreiche Werk von Edward Schillebeeckx (1914–2009) betrachtet, fällt einem zu Beginn der 1970er Jahre ein gewisses Nachlassen von Veröffentlichungen auf. Dass es nur eine Ruhe vor dem Sturm war, ein Atemholen vor dem nächsten großen Wurf, konnten wohl seine Mitbrüder nur erahnen, die ihn seinerzeit im Albertinum, dem Studienhaus der Dominikaner in Nijmegen, erlebten.
Kritik der Exegese – Überforderung eines Dogmatikers
Zum Jesus-Buch von Benedikt XVI.
Dogmatik und Exegese müssen keine Feinde sein, auch dann nicht, wenn sich die Bibelwissenschaft in der Tradition der Aufklärungsphilosophie im Paradigma historischer Kritik versteht. Dass sie es trotzdem oft sind, hängt zum einen mit dem antidogmatischen Affekt jener katholischen Exegetengeneration zusammen, die nach dem Ende der antimodernistischen Verfolgungsjagd als erste auch historisch-kritisch arbeiten durften.